Partnergemeinde Römerberg
Partnergemeinden Römerberg und Eckstedt
Seit inzwischen mehr als 30 Jahren blicken wir als Gemeinde Eckstedt auf eine freundschaftliche und von vielen gemeinsamen Erlebnissen getragene Freundschaft mit der Gemeinde Römerberg in der Pfalz zurück.
Damals begründet durch die Bürgermeister Günter Möhler und Werner Edelhof hat sich im Laufe der Jahre vieles verändert, aber die Freundschaft wird weiter aktiv gepflegt und lebt nicht nur zu den jährlichen gegenseitigen Besuchen immer wieder neu auf. Verschiedene Bürgermeister – in Eckstedt Werner Edelhof, Rita Schmidtke und aktuell Sabine Schnabel und in Römerberg Günter Möhler, Manfred Scharfenberger und Matthias Hoffmann trugen diese Partnerschaft durch alle strukturellen und gesellschaftlichen Veränderungen. Heute ist Eckstedt Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Gramme-Vippach mit 12 Mitglieds-Gemeinden und Römerberg zur Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen geworden.
Grundlegend für das Leben dieser Partnerschaft sind aber nicht nur die politischen Beziehungen zwischen den Gemeinden, sondern die vielen privaten Freundschaften und Bekanntschaften zwischen den Bürgern und Vereinen, die sich seit Jahren entwickelt haben.
Die Geschichte unserer Partnerschaft
1989/90 – es war eine wilde Zeit damals. Der so genannte „Eiserne Vorhang“ war nicht mehr nur löchrig, sondern fiel komplett auseinander. Die Bürger im Osten entwickelten einen kaum gesehenen Entdeckerdrang Richtung Bundesrepublik und umgekehrt – etwas verhaltener – ebenso. Doch nicht nur Privatleute, sondern auch Vereine, Schulen, Betriebe und sogar Ämter und Verwaltungen loteten die sich neu eröffnenden Möglichkeiten aus.
So lud bereits im März 1989 die landwirtschaftliche Akademie Ludwigshafen interessierte Bürger, Unternehmer etc., unter ihnen auch Vertreter der Gemeinde Römerberg, zu einer Entdeckungsreise in den „Osten“ ein. Man schaute sich die Strukturen hier im damaligen Bezirk Erfurt an und landete nachmittags in der LPG Schloßvippach zur Besichtigung einer Produktionsgemeinschaft nach sozialistischem Vorbild – kannte man so nicht in der Pfalz.
In der Folge hielten die Vertreter der Gemeinden Römerberg, Schloßvippach und Eckstedt weiter Kontakt, und nach dem Fall der Mauer kam es 1990/91 zu wechselseitigen Besuchen zwischen Vertreten der Gemeinden.
An einem Abend im September 1990, also kaum drei Wochen nach der Unterzeichnung des Einigungsvertrages, dinierte man in der „Deutschen Eiche“ gemeinsam mit LPG-Vorsitzenden, Betriebsleitern, Bürgermeistern und engagierten Bürgern der umliegenden Orte. Hier reifte erstmals der Gedanke, gegenseitig voneinander zu lernen und dafür eine Art „Partnerschaft“ einzugehen. Diese Ideen wurden bei einem Besuch der Bürgermeister Schloßvippachs und Eckstedts nebst Gemeindevertretern im November in Römerberg vertieft. Denn nun war eines klar: hier im Osten wird es neue Verwaltungsstrukturen geben und bei deren Aufbau wird Hilfe nötig sein.
Im Nachhall der gesammelten Eindrücke beschlossen die Gemeinden Schloßvippach (18.09.1990), Römerberg (29.01.1991) und Eckstedt (14.03.1991) eine verbindlichen Partnerschaft einzugehen. Doch Pustekuchen, tatsächlich war ein anderes Amt schneller. Der Rat des Kreises Erfurt hatte bereits mit dem Landkreis Mainz-Bingen verabredet, Partnervermittlung zwischen dortigen und hiesigen Kommunen zu werden. Die Gemeinde Schloßvippach war bereits mit der Gemeinde Ober-Olm aus Rhein-Hessen verlobt. Was nun? Eine Lösung musste her!
Diese fand sich schließlich in einer Dreiecksbeziehung. Die neu gegründete, gemeinsame Verwaltung der Orte Schloßvippach, Dielsdorf, Markvippach und Eckstedt (noch nicht die Verwaltungsgemeinschaft wie wir sie heute kennen), die Gemeinde Eckstedt und die Gemeinde Römerberg wollten die Partnerschaft eingehen. Machte Sinn, denn inzwischen war abzusehen, dass hier in Thüringen bald völlig neue Verwaltungsstrukturen und rechtliche Rahmenbedingungen Einzug halten werden und ein erfahrener Profi an der Seite durchaus von Vorteil sein kann.
Am 12.04.1991 war es dann soweit. Der Freundschaftsvertrag wurde in einem Festakt in Römerberg unterzeichnet.
Nun begann eine rege Reisetätigkeit zwischen Eckstedt, Schloßvippach und Römerberg. Nicht nur die Bürgermeister pendelten hin und her, sondern auch bestehende und sich gerade neu gegründete Vereine, wie Fußballer, Kleingärtner und Schützen machten sich auf den Weg um einander kennenzulernen.
Jetzt schlug die Stunde des neu gegründeten Eckstedter Schützenvereins. Wie also lernt man sich am besten kennen? Hier griff man auf ein bewährtes Mittel zurück – wir machen eine Party. Nicht irgendeine Party, sondern ein Thüringer Schlachtfest. Dafür sind wir Thüringer ja weltbekannt. Verabredet über den Vorsitzenden der Berghausener Schützengesellschaft Manfred Bültemann und dem Vorsitzenden des Eckstedter Schützenvereins Otfried Wiegand war es dann soweit.
Eines Freitags machten sich Horst Janetzky, Andreas Schwarz, Harald Stepputis, Horst Weber, Rolf Wenke (Fleischermeister) und Otfried Wiegand auf den Weg nach Römerberg, wo sie abends zur Absprache des nächsten Tages bereits erwartet wurden. Samstag 6.30 Uhr fiel der Startschuss, 7.00 Uhr wurde die „Wutz“ (ein Pfälzer Schwein von 4 bis 4,5 Zentnern) geliefert. Alle Anwesenden wurden mit Aufgaben betraut, egal ob Einheimischer oder Gast. Zum gemeinsamen Frühstück zählte man bereits 35 bis 40 Leute, und es sprach sich in Windeseile herum. Zum Abendessen zählte man am Schützenhaus bereits 80 Personen. Ein voller Erfolg! Dies sollte auch der Auftakt zu nicht wenigen persönlichen Freundschaften zwischen Römerberger und Eckstedter Familien sein, die zum Teil nach Jahrzehnten heute noch andauern. Im Übrigen gesellte sich im Laufe des Abends ein prominenter Gast unter die feiernde Schar, unser damaliger Ministerpräsident Thüringens – Bernhard Vogel.
Heute, nach über 30 Jahren erleben wir immer noch eine von Leben erfüllte Partnerschaft zwischen den Gemeinden. Auch wenn sich inzwischen vieles verändert hat – Eckstedt ist Bestandteil der VG Gramme-Vippach, Römerberg gründete eine Verbandsgemeinde mit Dudenhofen- hält dennoch der Kontakt zwischen Gemeinden und Bürgern. Freundschaften haben sich entwickelt und gegenseitige Besuche finden regelmäßig statt.
Vielen herzlichen Dank an die Zeitzeugen von damals für die hochinteressanten Recherchegespräche:
Wolfgang Obermann
Rolf Wenke
Horst Janetzky
Weitere Quelle: Dokumentation „Eckstedt und Römerberg – 20 Jahre Freundschaft“
Bildquellen
- PGRB_05: Frank Lenser Eckstedt
- PGRB_06: Frank Lenser Eckstedt